Archiv der Kategorie 'Medien-Müll'

Standard-Rassismus

Thilo Sarrazin ist aus seiner Zeit als Berliner Finanzsenator bereits hinlänglich für seinen Klassenrassismus bekannt. So erteilte er Hartz4-Abhängigen Ratschläge, wie sie mit Pullovern ohne Heizung oder für weniger als 4 Euro pro Tag mit Billig-Broten und Kartoffelsalat aber ohne Alkohol und Zigaretten ernähren könnten.

Auch seine jüngsten rassistischen Äußerungen wurden in diversen Medien hinlänglich ausgebreitet und ich möchte deshalb lieber auf eine andere Beobachtung hinweisen: Die „links“liberale österreiche Tageszeitung „Der Standard“ zitiert heute in ihrer Kategorie „Kommentar der Anderen“ durchgehend lobende Zeilen von deutschen Rassisten von der FAZ, der Welt, von Burkhard Müller und Kulturkämpfer Henryk M. Broder – unter dem Titel: „Ist die Sozialdemokratie lernfähig?“ Dem selben Medium kommen die Anführungszeichen zum Wort „Ausländerproblem“ immer öfter abhanden, das die salon-faschistische FPÖ im österreichischen Kontext etabliert hat.

Der Liberalismus muss offenbar ideologisch aufrüsten. Nicht, dass die Krisen-Verlierer*innen am Ende auf die Richtigen losgehen.

Blindes Vertrauen

Mit Fakten lässt sich immer noch am besten lügen. Aktuell illustrieren das eine Vielzahl von internationalen Medien mit ihrer tendenziösen Berichterstattung zu den Ereignissen rund um den Gaza-Streifen. Warum sie, auch wenn sie wollten, die Realität nie richtig abbilden könnten.

Nachrichten sind immer eine Interpretation von Ereignissen. Das gilt bereits für sog. Meldungen, die per Definition nicht kommentieren und möglichst sachlich und unparteiisch eine Übersicht der wichtigsten Fakten vermitteln sollen.

Um sie überhaupt in die Form eines Textes, oder eines Radio- oder Fernsehbeitrages bringen zu können sind eine Reihe von Fragen zu klären, die unvermeidlich zur Filterung von Informationen führen: Welche Ereignisse werden überhaupt vermeldet? Von welchen Informationen hat der_die Autor_in Kenntnis und aus welchen Quellen? Wie stark werden welche Informationen betont (Stichwort: Reihenfolge)? Von welchen Positionen dazu wird berichtet? Wer wird zitiert? Welchen Bildausschnitt wähle ich? Oder auch: Sind die aktuellen Angriffe der israelischen Luftwaffe im Gaza-Streifen eine „Reaktion“, eine „Intervention“ oder ein „Krieg“?

Wie diese Fragen beantwortet werden, entscheidet sich entsprechend der Perspektive des/der Autor_in und dessen Vorgesetzten. Dazu kommt als Faktor die Risikobereitschaft der Akteure bzw. ihr Verhalten angesichts direkten oder indirekten Drohungen (z.B.: juristisches Vorgehen, Entzug von Investitionsmasse, physische Bedrohung) oder Belohnungen (z.B.: vermehrte Arbeitsaufträge, Beförderung, inoffizielles Zweitgehalt).

Obwohl die Textbausteine sich in einem Großteil der Medienlandschaft bis ins Detail gleichen, sind Journalist_innen noch immer Menschen – also potentielle Fehlerquellen. Schlecht bezahlt und unter ständigem Zeitdruck sind sie oft nicht in der Lage, in dem Maße Nachrecherchen durchzuführen, wie es eigentlich angebracht wäre. Und vor dem Abgabetermin und dem heiß ersehnten Feierabend gerät dann auch ohne böse Absicht schnell einmal eine Null zu viel oder zu wenig in eine Zahl, wird ein Name vertauscht oder beim Kürzen ein eigentlich wichtiger Textteil gestrichen.

Nachrichten werden allzu oft als eine neutrale Darstellung von Fakten missverstanden. Und die Hauptinformationsquellen der Medien-Konsument_innen können kein gesteigertes Interesse daran haben, über dieses Missverständnis aufzuklären. Das Ergebnis ist ein problematisch unkritisches Verhältnis zur Realität. Dabei geht es, frei mit Marx, doch eben nicht nur darum, sie verschieden zu interpretieren, sondern sie endlich auch zu verändern.

Gnadenlos mies

Es gibt einen Neuzugang im Bereich Zurichtungsfernsehen: Der Sender Sat1 hat am 20. August die erste Folge seiner Serie „Gnadenlos gerecht“ ausgestrahlt.

Das Format wird in der Eigendarstellung so beschrieben:

Die neue Sat.1-Doku begleitet die beiden Mitarbeiter der Kreisverwaltung Offenbach bei ihrer täglichen Arbeit. Das eingespielte Team heftet sich an die Fersen von mutmaßlichen Hartz IV-Betrügern: Sie ermitteln „undercover“ im In- und Ausland und kennen alle Tricks.

Die Rollen sind klar verteilt: Der der „eher ruhige, souveräne Kollege Helge Hofmeister“ schnüffelt ungeniert in der Privatsphäre von Hartz4-Empfänger_innen, die ihr Elend zu mindern versuchen, während die „temperamentvolle, geradlinige Helena Fürst“ sie „gnadenlos gerecht“ zurück in die Scheiße tritt.

So verweigern die beiden „Sozialfahnder“ in dem folgenden Ausschnitt einer alleinerziehenden Mutter mit einem dreijhrigen Kind eine Ersetzung der bereits auf dem Sperrmüll gelandeten verschimmelten Möbel. Weil sie aber erkennen, wie „dramatisch“ ihre Situation ist, geben sie sich so gnädig ihr ein DARLEHEN zu genehmigen, das sie in monatlichen Raten zurückzuzahlen habe:

Helena Fürst mag ihre Arbeit. Im Interview auf der Homepage zur Serie sagt sie:

Wir hatten und haben gemeinsam viel Spaß und es steckt viel Liebe und Arbeit von uns allen in dieser Serie.

Bei so viel Zynismus schafft es auch ein Christian Ulmen nicht mehr, die Menschenverachtung satirisch zu überspitzen. Bei seinem Charakter „Alexander von Eich“, bekannt aus „Mein neuer Freund“, reicht es mit der Pseudo-Reality-Soap „Alexander von Eich hilft“ doch nur zu einem blassen Abklatsch der Realität: Link.

Gewichtiges Problem in South LA

Der internationalen Presse nach zu urteilen, gibt es in den Ghettos im Süden von Los Angeles eigentlich nur ein gravierendes Problem: Die widerspenstige Unterschicht ernährt sich zu ungesund. Eine aktuelle Studie befindet jedes vierte Kind in diesen Gegenden für zu dick, in LA insgesamt jedes dritte. Stadträtin Jan Perry weiß um die Folgen: „Der Nebeneffekt einer dauerhaften Ernährung mit Fast Food ist, dass die Gesellschaft langfristig die Gesundheitskosten tragen muss.“

Weil der soziale Bodensatz nicht weiß, welches Essen gut für ihn und vor allem für das Gemeinwesen ist, hilft ihm der Staat nun bei der Entscheidung. Einen „Sieg für die Menschen von South Los Angeles” nannte Perry die Annahme ihres Vorschlages, in dem Gebiet ein einjähriges Verbot für die Eröffnung neuer Schnellimbisse zu verhängen. Nun sei eine aggressive Werbung um Anbieter von „guten gesunden Alternativen“ notwendig.

Die sind allerdings für immer weniger Menschen bezahlbar. In der Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Rezession sind die Lebenshaltungskosten in den USA so schnell gestiegen, wie seit 1991 nicht mehr. „Wir profitieren von dem Druck, den die Leute hinsichtlich ihres verfügbaren Einkommens verspüren“, sagte Burger-King-Chef John W. Chidsey im April dem Wall Street Journal. „Die Leute können es sich nicht leisten, zu Applebee’s zu gehen oder zu Chili’s.“ Und greifen notgedrungen zu den Ein-Dollar-Menüs bei McDonald’s, Burger King oder Wendy’s.

Fast-Food „ist die einzige Branche, die in South LA sein möchte“ erklärte der Sprecher der California Restaurant Association, Andrew Casana. „Restaurants mit Sitzgelegenheiten wollen sich dort nicht ansiedeln. Sonst wären sie dort.”

Der Soziologe Barry Glassner von der University of Southern California warnt zudem davor, „bestimmten Gruppen in der Bevölkerung vorzuschreiben, was sie zu essen haben“. Dies sei „bevormundend und herabwürdigend“.

Alptraum im deutschen Blätterwald:
Der „Kaninchen-Killer“ geht um

Vorbemerkung: Wer in diesem oder anderen Beiträgen Ähnlichkeiten zu Texten in anderen Medien findet, darf sie behalten. Wenn, dann habe ich da nur bei mir selbst geklaut. Alle im Original englischen Zitate sind übersetzt.


Bildquelle: BBC News

Es gibt Orte im Ruhrgebiet, die aussehen, als kämen sie direkt aus einem deutschen Märchen. Aber hier entwickelt sich ein Alptraum, der Angst in der Gemeinde verbreitet.

So beginnt ein augenzwinkernder Bericht von BBC News über eine abstruse Serie von Tiertötungen in den vergangenen Monaten. 30 Kaninchen soll ein_e noch unbekannte_r Täter_in in den vergangenen Monaten aus ihren Außen­gehegen entführt und enthauptet haben.
„Er füllt das Blut vielleicht in eine Box oder eine Flasche und bringt es weg. Und den Kopf auch.“ So schildert Polizeisprecher Volker Schütte in echt deutschem Englisch das Vorgehen des „Killers“ gegenüber BBC.

Der Beitrag der britischen Reporter_innen darf durchaus als ironischer Seitenhieb nicht nur auf deutsche Befindlichkeiten, sondern vor allem auch auf deren Niederschlag im medialen Blätterwald verstanden werden. Die selten dämliche Bezeichnung „Kaninchen-Killer“ wurde zum stehenden Begriff in den diversen Lokal- und Boulevardblättchen, die damit offenbar ihr Sommerloch zu stopfen versuchten. Dabei zitierten sie zwecks Dramatisierung gerne diverse abgedrehte Tierfreunde, die sich mit wahrer Leidenschaft einer der liebsten Volkssportarten der Deutschen widmeten: Abwegige Theorien über blutrünstige Verschwörungen aufstellen.

So heißt es in einem Artikel zum Thema von der Westdeutschen Zeitung:

Für Erika Scheffer, Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, steht fest: „Das waren Perverse, die das Blut für Satansmessen verwenden.“

Im Internet, wo zugegeben mit ein paar Minuten Suchmaschinen-Recherche ausnahmslos jeder Blödsinn zu finden ist, geben sich deutsche Kaninchen-Liebhaber deutlich zwangloser ihren Fantasien hin. Zum Beispiel in einem Forum, das sich mit der Behauptung „Wir retten Kaninchen“ bewirbt. An „Islamisten und Juden“ denkt dort ein gewisser Flocke – wegen der „Art (…) des Schlachtens“. Auch bei Sylke funktionieren die bekannten Reflexe gut:

Solche Typen müssten echt härter bestraft werden, wenn sie die überhaupt bekommen.

Weder sind „die Typen“ (Woher kennt sie denn deren Geschlecht? Verdächtig …) gefasst, noch weiß Sylke vermutlich, was für eine Strafe ihnen in diesem Fall blühen würde. Wie auch der gute Obama weiß, ist dem aufgebrachten Mob eben prinzipiell alles unter Todesstrafe zu wenig, um „das volle Ausmaß der Empörung zum Ausdruck zu bringen“ (Zitat inkl. Zusammenhang aus dem Buch zu seiner Wahlkampagne).

Oft und gerne wird bei der Polizei über Per­sonalmangel geklagt, für diesen Fall hat sie offenbar eine mehrköpfige Sonderkommission gebildet. Außerdem hat auch Team Green eine äußerst schlüssige Theorie anzubieten: „Die Polizei befürchtet, der Killer könnte vom Töten von Kaninchen zum Töten von Menschen übergehen.“ (BBC)

Hier geht es zum Video von BBC: >>Link
Und hier zum entsprechenden Text: >>Link

Propagandaschlacht per Grafikprogramm

Wer die Medienberichterstattung zu seinen Gunsten steuern will, sollte sich wohl besser etwas geschickter anstellen als im Moment die Revolutionsgarde im Iran. Nicht nur, dass sie bei ihrem Muskelspiel per Raketentest wohl ein bisschen mit der Reichweite übertrieben haben:

General Hossein Salami, head of the Revolutionary Guards Air Force, claimed on Iranian television that a Shahab-3 long-range ballistic missile had been tested, which is capable of traveling longer distances, with greater accuracy, and with a larger payload.

„Our finger is always on the trigger, and our missiles are always ready to launch,“ he said.

However, Uzi Rubin, who was a program director of Homa, under which Israel developed the Arrow anti-missile system, is convinced that this was not a new version of the Iranian ballistic missile.

„From what I saw, this is an old version of the Shahab-3, and contrary to their claims, it is not capable of reaching 2,000 kilometers, only 1,300 kilometers,“ he said yesterday.

Rubin raised the possibility that a version of Shahab-3 with a 2,000 km range has still not been tested or is still not operational.

Quelle: „Haaretz Daily

Auch beim Bildmaterial wurde offensichtlich nachgeholfen, um zu vertuschen, dass eine der Raketen nicht plangemäß gestartet war. Dumm nur, dass sich auf der Internetseite der staatlichen Propagandaplattform „Sepah News“ neben einem gefälschten auch ein authentisches Bild von der ganzen Sache findet (mindestens bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags gegeben):

Ein Original …
Original

… und eine Fälschung
Fälschung

Bis die Geschichte aufgeflogen war, war das Bild allerdings schon über die Nachrichtenagentur AFP um die Welt gegangen und in etlichen großen internationalen Medien veröffentlicht worden.

Zum Beispiel bei denen:

Zeitungen mit dem gefälschten Bild
Bildquelle: New York Times

Update: Am Samstag, den 12.7., wurde das manipulierte Bild von der Website „Sepah News“ genommen – also erst zwei Tage nach dem Bekanntwerden der Fälschung. Was für Stümper …