Krisenpop

Der Linken in Deutschland fällt zur Krise bislang außer radikalreformerischen Strohfeuern nicht viel ein, so dass auch weiter der Glaube vorherrschend bleiben wird, die Situation sei ein Produkt von „zu großer Gier“ einiger Banker.

Wenn der Staat zur Abstützung des nationalen Kapitals derweil eine Summe ausgeben muss, die den Jahreshaushalt bei weitem übersteigt, ist absehbar, wer nacher dafür wird bluten müssen. Die größten Härten sind für die Mehrheit der armen Schweine, die sich ihr Dasein mit Lohnarbeit finanzieren müssen, also noch gar nicht absehbar.

So bleibt zu fürchten, dass die bisherigen Ausdrücke von restaurativen Sehnsüchten und dem Wunsch nach einer autoritären Krisenlösung nur ein Vorgeschmack auf das sind, was uns in naher Zukunft erwarten könnte. Eine entsprechende popkulturelle Blüte stammt von Silbermond: „Irgendwas bleibt“.

Das Webzine Beatpunk schreibt dazu:

»Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt in der nichts sicher scheint.« oder »Gib mir was, irgendwas das bleibt«. Oh je. Solche Zeilen singen Silbermond auf ihrer – am 20.02. erscheinenden neuen Single. Der Umgang mit der Krise führt also auch popkulturell in die restaurative Behaglichkeit. In Konfirmanden-Lyrik heißt das soviel wie: wir wollen Staat, Nation, Familie, Natur, Ursprünglichkeit, Romantik und einen festen Job. Bebildert wird der Forderungskatalog im offiziellen Video mit Riot-Szenen (wofür oder wogegen auch immer). Zwischen Pflasterregen und brennenden Autos schlendert die Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß und intoniert ihre Version von »Ein bisschen Frieden«. Als ein »kleines bisschen Sicherheit« könnte das Lied lustigerweise zum Soundtrack deutscher Sicherheitspolitik werden. Schunkeln beim CDU-Stammtisch und Feiern bei The Dome 143 schließen sich heute ja nicht [aus].

PS.:
In Israel geht die Krise als Thema neben den anhaltenden Konflikten um die palästinensischen Gebiete weitgehend unter. Während in Europa der Staatsinterventionismus wieder in Mode gekommen ist, wird mit Netanjahu voraussichtlich ein Wirtschaftsliberaler israelischer Ministerpräsident werden.