Wie das Gewitter in der Wolke

Der Text ist viel zitiert worden in den letzten Jahren und hat dadurch doch nichts an seiner Schlagkraft verloren. Die Rede ist von dem Aufsatz „Der ehrbare Antisemitismus“, den Jean Améry bereits 1969 erstmalig veröffentlichte.


Demonstration in Stuttgart am 3. Januar 2009

Darin heißt es:

Der Antisemitismus, enthalten im Anti-Israelismus oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar. Er kann ordinär reden, dann heisst das „Verbrecherstaat Israel“. Er kann es auf manierliche Art machen und vom „Brückenkopf des Imperialismus“ sprechen, dabei so nebstbei allenfalls in bedauerndem Tonfall hinweisen auf die missverstandene Solidarität, die so ziemlich alle Juden, von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen, an den Zwergstaat bindet […]

(Vollständiger Text: Link)

Aktuell illustrieren das die Demonstrationen in Deutschland anlässlich des anhaltenden Beschusses des Gaza-Streifens durch die israelische Armee (die Raketen auf israelische Wohngebiete blieben derweil unerwähnt).
Vergleichsweise kleine Menschenansammlungen fanden sich in den vergangenen Tagen u.a. in Berlin, Hamburg, Köln, Saarbrücken und Stuttgart ein.

Offenbar lässt die antizionistische Deutschlinke die demonstrierende palästinensische Community bisher weitgehend allein. Ob das an einem immerhin diffusen Unwohlsein angesichts der zahlreich geäußerten Sympathien für die Hamas liegt, oder doch nur einer mangelhaften Kommunikation geschuldet ist, kann ich von hier aus allerdings schlecht beurteilen.

Das linke Nachrichtenportal Indymedia bleibt sich derweil treu: Ein Interview mit dem Sprecher der Hamas wird dort nicht nur veröffentlicht, sondern sogar an prominenter Stelle in der Mittelspalte beworben: Link
Das Hauptmedium der globalisierungskritischen Bewegung macht sich also zum Sprachrohr einer Organisation, die bereits 1988 in ihrer Charta festgehalten hat:

Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: ‚Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm‘ und töte ihn.‘ (Artikel 7)

(Quelle: http://www.hagalil.com/archiv/2003/08/hamas.htm)

P.S.:
Einen Videoausschnitt aus Saarbrücken hat die Antifa Saar veröffentlicht:

P.P.S.:
Der BAK Shalom hat Vergleichbares auf der Berliner Demonstration dokumentiert:


2 Antworten auf “Wie das Gewitter in der Wolke”


  1. 1 Benjy 10. Januar 2009 um 6:29 Uhr

    Auch in Melbourne und Sydney finden anti-israelische Proteste mit bis zu 3000 TeilnehmerInnen statt. Immerhin gab es auch mindestens eine pro-israelische Demonstration mit 600 TeilnehmerInnen. Dort wird darauf hingewiesen, dass man nicht anti-palaestinensisch sei, um die zivilen Opfer im Gazastreifen trauere und Hamas dafuer verurteile, den Grossteil ihrer Ressourcen auf die Zerstoerung Israels zu konzentrieren anstatt auf das Wohlergehen der eigenen Bevoelkerung. Auf den anti-israelischen Protesten hingegen beschraenkt man sich scheinbar darauf, krude anti-Israel-Statements und menschenverachtende Solidaritaetsbekundungen mit der voellig inakzeptablen Hamas von sich zu geben. Auf dem Weg durch Melbourne habe ich mich dann vorhin mit einem Haufen ’sozialistischer‘ Stundenten gestritten, die Geld und Unterschriften fuer ein freies Palestina wollen. Unter der Scharia und frei von Juden? Aber weit bin ich nicht gekommen, denn mit Zionisten diskutiere man nicht. Schon gut. Ein paar Meter neben den palibetuchten und Megafon-bewaffneten Sozialisten stand, still und laechelnd, ein junger Mann mit einem Schild auf dem stand: „Don‘t listen to pseudo intellectual unistudents who don‘t know what they‘re talking about. See both sides of the problem.“ *g*

  1. 1 Hamas und Kadima sind sich einig! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 05. Januar 2009 um 0:02 Uhr
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