Archiv für Januar 2009

Feuerpause

Die Truppen der israelischen Armee haben sich aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen und der Waffenstillstand mit der Hamas hält bislang weitgehend (sic!). Weil im nicht-virtuellen Leben gerade viele Aufgaben auf mich warten, lege auch ich eine kleine Pause ein. Wir lesen uns.

„Spaziergang im Park“

Schon vor rund zwei Wochen sind hier in den Kibbutz in erster Linie Kinder, teils aber auch ganze Familien aus dem israelischen Süden vor den Raketen der Hamas geflüchtet. Nun ist der Terror wieder bis auf etwa 25 Kilometer Entfernung an sie herangerückt.


Bildquelle: haaretz.com

Zwei Katyusha-Raketen schlugen heute morgen im nördlich gelegenen Naharyia ein, eine davon in einem Altersheim. Glücklicherweise ist dabei niemand ums Leben gekommen.

Die Urheber des Anschlages bleiben derweil unklar, die Hizbollah hat eine Verantwortung von sich gewiesen. Vermutlich wollte eine islamistische Splittergruppe die Verhandlungsposition der Waffenbrüder von der Hamas über einen möglichen neuen Waffenstillstand mit Israel stärken und/oder eine Eskalation auch im Libanon provozieren.

Auch in Erwartung solcher Angriffe aus dem Libanon hatte die israelische Armee IDF kurz nach dem Beginn der Luftoffensive in Gaza mit der Einberufung von Reservisten begonnen. Besonders in den letzten Tagen waren die Sicherheitsmaßnahmen im Norden zudem zunehmend verstärkt worden.

Erwartungsgemäß reagierte die IDF auf die Raketen-Einschläge heute morgen unmittelbar mit einem Gegenschlag, bei dem nach Eigenangaben die Abschussstelle „punktgenau“ mit Artilleriegeschützen beschossen worden sei.

Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah tönte schon gestern, der Libanonkrieg 2006 sei ein „Spaziergang im Park [gewesen], wenn wir ihn mit dem vergleichen, was wir für jede neue Aggression vorbereitet haben.“

P.S.:
An die seit anderthalb Wochen regelmäßig über meinen Kopf hinwegdonnernden Hubschrauber und Flugzeuge von der nahegelegenen Airbase habe ich mich inzwischen mehr oder weniger gewöhnen müssen. Trotzdem vereiteln sie jedes Mal aufs neue meine kläglichen Versuche, die Lage wenigstens eine eine kurze Zeit lang zu verdrängen.

Kurzupdate am 15. Januar:

Heute sind drei Katyusha-Raketen in Kiryat Shmona im Norden Israels eingeschlagen. Nach einigen Tagen Ruhe von dieser Seite gibt das der Angst vor einer „zweiten Front“ im Libanon neue Nahrung. Derweil stehen die Chancen für einen erneuten Waffenstillstand in Gaza zunehmend besser.

Wie das Gewitter in der Wolke

Der Text ist viel zitiert worden in den letzten Jahren und hat dadurch doch nichts an seiner Schlagkraft verloren. Die Rede ist von dem Aufsatz „Der ehrbare Antisemitismus“, den Jean Améry bereits 1969 erstmalig veröffentlichte.


Demonstration in Stuttgart am 3. Januar 2009

Darin heißt es:

Der Antisemitismus, enthalten im Anti-Israelismus oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar. Er kann ordinär reden, dann heisst das „Verbrecherstaat Israel“. Er kann es auf manierliche Art machen und vom „Brückenkopf des Imperialismus“ sprechen, dabei so nebstbei allenfalls in bedauerndem Tonfall hinweisen auf die missverstandene Solidarität, die so ziemlich alle Juden, von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen, an den Zwergstaat bindet […]

(Vollständiger Text: Link)

Aktuell illustrieren das die Demonstrationen in Deutschland anlässlich des anhaltenden Beschusses des Gaza-Streifens durch die israelische Armee (die Raketen auf israelische Wohngebiete blieben derweil unerwähnt).
Vergleichsweise kleine Menschenansammlungen fanden sich in den vergangenen Tagen u.a. in Berlin, Hamburg, Köln, Saarbrücken und Stuttgart ein.

Offenbar lässt die antizionistische Deutschlinke die demonstrierende palästinensische Community bisher weitgehend allein. Ob das an einem immerhin diffusen Unwohlsein angesichts der zahlreich geäußerten Sympathien für die Hamas liegt, oder doch nur einer mangelhaften Kommunikation geschuldet ist, kann ich von hier aus allerdings schlecht beurteilen.

Das linke Nachrichtenportal Indymedia bleibt sich derweil treu: Ein Interview mit dem Sprecher der Hamas wird dort nicht nur veröffentlicht, sondern sogar an prominenter Stelle in der Mittelspalte beworben: Link
Das Hauptmedium der globalisierungskritischen Bewegung macht sich also zum Sprachrohr einer Organisation, die bereits 1988 in ihrer Charta festgehalten hat:

Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: ‚Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm‘ und töte ihn.‘ (Artikel 7)

(Quelle: http://www.hagalil.com/archiv/2003/08/hamas.htm)

P.S.:
Einen Videoausschnitt aus Saarbrücken hat die Antifa Saar veröffentlicht:

P.P.S.:
Der BAK Shalom hat Vergleichbares auf der Berliner Demonstration dokumentiert: