Blindes Vertrauen

Mit Fakten lässt sich immer noch am besten lügen. Aktuell illustrieren das eine Vielzahl von internationalen Medien mit ihrer tendenziösen Berichterstattung zu den Ereignissen rund um den Gaza-Streifen. Warum sie, auch wenn sie wollten, die Realität nie richtig abbilden könnten.

Nachrichten sind immer eine Interpretation von Ereignissen. Das gilt bereits für sog. Meldungen, die per Definition nicht kommentieren und möglichst sachlich und unparteiisch eine Übersicht der wichtigsten Fakten vermitteln sollen.

Um sie überhaupt in die Form eines Textes, oder eines Radio- oder Fernsehbeitrages bringen zu können sind eine Reihe von Fragen zu klären, die unvermeidlich zur Filterung von Informationen führen: Welche Ereignisse werden überhaupt vermeldet? Von welchen Informationen hat der_die Autor_in Kenntnis und aus welchen Quellen? Wie stark werden welche Informationen betont (Stichwort: Reihenfolge)? Von welchen Positionen dazu wird berichtet? Wer wird zitiert? Welchen Bildausschnitt wähle ich? Oder auch: Sind die aktuellen Angriffe der israelischen Luftwaffe im Gaza-Streifen eine „Reaktion“, eine „Intervention“ oder ein „Krieg“?

Wie diese Fragen beantwortet werden, entscheidet sich entsprechend der Perspektive des/der Autor_in und dessen Vorgesetzten. Dazu kommt als Faktor die Risikobereitschaft der Akteure bzw. ihr Verhalten angesichts direkten oder indirekten Drohungen (z.B.: juristisches Vorgehen, Entzug von Investitionsmasse, physische Bedrohung) oder Belohnungen (z.B.: vermehrte Arbeitsaufträge, Beförderung, inoffizielles Zweitgehalt).

Obwohl die Textbausteine sich in einem Großteil der Medienlandschaft bis ins Detail gleichen, sind Journalist_innen noch immer Menschen – also potentielle Fehlerquellen. Schlecht bezahlt und unter ständigem Zeitdruck sind sie oft nicht in der Lage, in dem Maße Nachrecherchen durchzuführen, wie es eigentlich angebracht wäre. Und vor dem Abgabetermin und dem heiß ersehnten Feierabend gerät dann auch ohne böse Absicht schnell einmal eine Null zu viel oder zu wenig in eine Zahl, wird ein Name vertauscht oder beim Kürzen ein eigentlich wichtiger Textteil gestrichen.

Nachrichten werden allzu oft als eine neutrale Darstellung von Fakten missverstanden. Und die Hauptinformationsquellen der Medien-Konsument_innen können kein gesteigertes Interesse daran haben, über dieses Missverständnis aufzuklären. Das Ergebnis ist ein problematisch unkritisches Verhältnis zur Realität. Dabei geht es, frei mit Marx, doch eben nicht nur darum, sie verschieden zu interpretieren, sondern sie endlich auch zu verändern.