Altneulinks

Leider ist es kein Traum: Chadasch, zu deutsch „Neu“, das ist die ‚kommunistische‘ Partei Israels. (a)


Vergrößern: linksmitte (Zeichen der Chadasch auf einer Fahne) – rechts

Bei den Knesset-Wahlen mit +/- 3 Sitzen dümpelt die Partei regelmäßig in bedeutungsloser Wahrnehmbarkeit dahin. Auf den Listen der Partei stehen, das ist in Israel eine echte Besonderheit, sowohl jüdische als auch (und vor allem) arabische israelische Kandidat_innen. Eine größere Bedeutung hat sie daher bei anstehenden Kommunalwahlen in gemischten Städten, wo sie oft nicht selber vertreten ist, aber ihre Unterstützung für jeweilige Lokalparteien eine Rolle spielt.

Für Dienstag vergangene Woche, den ersten Tag von Sukkot, hatte die Partei in Akko zu einer Versammlung für die Koexistenz aufgerufen, wo es aufgrund von Nichtigkeiten zu mehrtägigen heftigen Auseinandersetzungen zwischen fanatisierten jüdischen und arabischen Rechten gekommen war (zum Hintergrund siehe ‚Versöhnliche Steinwürfe‘).


Vergrößern: links („Shalom = Salaam“ (b)) – mitterechts (vor der Busankunft)

Die meisten Teilnehmer_innen kamen nach meinem Eindruck aber nicht aus der Stadt selbst, sondern reisten mit Autos aus den verschiedenen Landesteilen an; ein Großteil kam mit einem Bus aus Tel-Aviv. Eine Bekanntschaft war so nett, mir die Redebeiträge im Groben synchron ins Englische zu übersetzen.

Die Ereignisse wurden geschildert und es wurde von Familien und Einzelpersonen berichtet, die sich nur knapp vor dem Mob retten konnten, deren Wohnungen bei den Riots zerstört worden waren, oder die sich aus Angst vor ihren Nachbar_innen nicht mehr zurück trauen. In dem traditionellen Sukkar-Zelt sprachen ein lokaler Kandidat von Chadasch, eine namenlose Aktivistin und Dov Khenin, ein Knesset-Abgeordneter der Partei, der für die Bürgermeisterwahl in Tel-Aviv kandidiert.


Vergrößern: linksmitterechts (Dov Khenin)

Sonderlich „neu“ sind die Ideen von Chadasch leider nicht, offenbar hat es beim Stand der Reflexion seit ihrer Gründung 1977 (das Datum wird zumindest auf Wikipedia angegeben) kaum Fortschritte gegeben: Israel als jüdischer Staat will langfristig beseitigt werden, man kooperiert mit arabischen Nationalist_innen und verspricht den Ausbau des Sozialstaates. (c)

Einen Chadasch-Aktivist, von dem mir im Vorfeld als überfittem Theorie-Crack zugeraunt wurde, durfte ich schließlich auch mit einem Aufruf zur Verteidigung des „sozialistischen Vaterlandes“ Kuba auf seinem T-Shirt kennenlernen.

Anmerkung:

a) Die Überschrift und der erste Satz nehmen Bezug auf den Roman von Theodor Herzl, dem Architekten des Zionismus. Das Buch ist online abrufbar: http://www.zionismus.info/altneuland/altneuland.htm

b) Shalom ist das hebräische, Salaam das arabische Wort für Frieden.

c) Immerhin hat die Partei die Umwelt zu ihrem Thema gemacht. Die wird in Israel bisher eher stiefmütterlich behandelt, was sich aber zwangshalber in den kommenden Jahren ändern wird. Das Land hat ein immer akuter werdendes Wasserproblem – auch wenn man das angesichts des großzügigen Umgangs mit der Ressource oft nicht merkt. Nicht zuletzt die Frage der Verteilung dieses Luxusgutes birgt dabei jede Menge Sprengstoff nicht zuletzt für den jüdisch-arabischen Konflikt.


1 Antwort auf “Altneulinks”


  1. 1 lipstick.Israel 20. Oktober 2008 um 19:36 Uhr

    hey!

    ach, erst sagen, man diskutiere nicht mit antizionist_innen und jetzt sogar auf einer ihrer veranstaltungen gewesen sein….

    also nein, wenn das der herzl wüsste.

    kommunismus mit menschlichem antlitz,
    lip

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