Showdown in Gaza:
Palästina sucht die Super-Terroristen

Nach einer Phase der relativen Ruhe sprechen in den palästinensischen Autonomiegebieten nun wieder die Waffen. Den Auftakt der Auseinandersetzungen bildete vergangenen Freitag die heftigste Serie von Bombenanschlägen im Gazastreifen seit der Machtübernahme der Hamas im Juni 2007.


Bildquelle: AFP

Neben einem Internetcafé, vor dem sich aus offenbar sittenwächterischen Gründen ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte, war das Ziel die Hamas. In der Wohnung eines ihrer Abgeordneten explodierte eine Bombe, der Sprengsatz im Auto eines lokalen Führers des bewaffneten Arms tötete bei der Explosion fünf Hamas-Mitglieder und ein unbeteiligtes Kind und wurde so zum blutigsten Angriff gegen die Organisation seit ihrer Übernahme der Kontrolle im Gazastreifen. Für beide Anschläge macht sie die Hauptkonkurrenz von der Fatah verantwortlich, welche ihrerseits eine Verwicklung abstreitet.

Etwa einen Monat nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel konzentrieren sich die palästinensischen Milizionäre nun wieder auf den Bruderkampf um die Macht und vertiefen die Spaltung der Autonomiegebiete in ein „Hamastan“ in Gaza und ein „Fatahstan“ in der Westbank.

In den Tagen nach den Anschlägen nahm die Hamas 300 Menschen – vor allem Fatah-Mitglieder – in dem von ihr kontrollierten Gebiet fest, durchsuchte Wohnungen, Büros und Sportvereine, errichtete Straßensperren und stoppte die Auslieferung der drei wichtigsten palästinensischen Zeitungen. Unter den Festgenommenen war offenbar auch ein Kameramann der ARD.
Die Fatah reagierte ihrerseits mit der Verhaftung von Hamas-Mitgliedern in der Westbank.

Zusätzlich nutzte die Hamas die Gelegenheit, um auch gegen die der al-Qaida nahestende Armee des Islam vorzugehen, die mit ihrem geschlossen islamistischen Weltbild in Verbindung mit dschihadistischem Aktionismus letztlich um exakt das gleiche Klientel wirbt, wie die Machthaber in Gaza. Bei den Festnahme-Versuchen kam es zu heftigen Zusammenstößen.

Sowohl die Hamas, als auch die Fatah streiten den politischen Hintergrund der Verhaftungsaktionen vehement ab. Eine andere Sprache spricht ein aktueller Bericht der palästinensischen Menschenrechtsorganisation al-Haq über „willkürliche Verhaftungen und Folter in palästinensischen Gefängnissen“, den sie am Montag veröffentlichte. Basierend auf 150 vereidigten Zeugenaussagen und der Dokumentation von mehr als 2000 Verhaftungen des vergangenen Jahres kommt der Bericht „eindeutig zu dem Schluss, dass der größte Teil der Verhaftungen in der Westbank und im Gaza-Streifen politisch motiviert sind“.

Update: Der Kameramann der ARD ist nach deren Eigenangaben wieder frei. Siehe: >>Link