Archiv für Juli 2008

Showdown in Gaza:
Palästina sucht die Super-Terroristen

Nach einer Phase der relativen Ruhe sprechen in den palästinensischen Autonomiegebieten nun wieder die Waffen. Den Auftakt der Auseinandersetzungen bildete vergangenen Freitag die heftigste Serie von Bombenanschlägen im Gazastreifen seit der Machtübernahme der Hamas im Juni 2007.


Bildquelle: AFP

Neben einem Internetcafé, vor dem sich aus offenbar sittenwächterischen Gründen ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte, war das Ziel die Hamas. In der Wohnung eines ihrer Abgeordneten explodierte eine Bombe, der Sprengsatz im Auto eines lokalen Führers des bewaffneten Arms tötete bei der Explosion fünf Hamas-Mitglieder und ein unbeteiligtes Kind und wurde so zum blutigsten Angriff gegen die Organisation seit ihrer Übernahme der Kontrolle im Gazastreifen. Für beide Anschläge macht sie die Hauptkonkurrenz von der Fatah verantwortlich, welche ihrerseits eine Verwicklung abstreitet.

Etwa einen Monat nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel konzentrieren sich die palästinensischen Milizionäre nun wieder auf den Bruderkampf um die Macht und vertiefen die Spaltung der Autonomiegebiete in ein „Hamastan“ in Gaza und ein „Fatahstan“ in der Westbank.

In den Tagen nach den Anschlägen nahm die Hamas 300 Menschen – vor allem Fatah-Mitglieder – in dem von ihr kontrollierten Gebiet fest, durchsuchte Wohnungen, Büros und Sportvereine, errichtete Straßensperren und stoppte die Auslieferung der drei wichtigsten palästinensischen Zeitungen. Unter den Festgenommenen war offenbar auch ein Kameramann der ARD.
Die Fatah reagierte ihrerseits mit der Verhaftung von Hamas-Mitgliedern in der Westbank.

Zusätzlich nutzte die Hamas die Gelegenheit, um auch gegen die der al-Qaida nahestende Armee des Islam vorzugehen, die mit ihrem geschlossen islamistischen Weltbild in Verbindung mit dschihadistischem Aktionismus letztlich um exakt das gleiche Klientel wirbt, wie die Machthaber in Gaza. Bei den Festnahme-Versuchen kam es zu heftigen Zusammenstößen.

Sowohl die Hamas, als auch die Fatah streiten den politischen Hintergrund der Verhaftungsaktionen vehement ab. Eine andere Sprache spricht ein aktueller Bericht der palästinensischen Menschenrechtsorganisation al-Haq über „willkürliche Verhaftungen und Folter in palästinensischen Gefängnissen“, den sie am Montag veröffentlichte. Basierend auf 150 vereidigten Zeugenaussagen und der Dokumentation von mehr als 2000 Verhaftungen des vergangenen Jahres kommt der Bericht „eindeutig zu dem Schluss, dass der größte Teil der Verhaftungen in der Westbank und im Gaza-Streifen politisch motiviert sind“.

Update: Der Kameramann der ARD ist nach deren Eigenangaben wieder frei. Siehe: >>Link

Alptraum im deutschen Blätterwald:
Der „Kaninchen-Killer“ geht um

Vorbemerkung: Wer in diesem oder anderen Beiträgen Ähnlichkeiten zu Texten in anderen Medien findet, darf sie behalten. Wenn, dann habe ich da nur bei mir selbst geklaut. Alle im Original englischen Zitate sind übersetzt.


Bildquelle: BBC News

Es gibt Orte im Ruhrgebiet, die aussehen, als kämen sie direkt aus einem deutschen Märchen. Aber hier entwickelt sich ein Alptraum, der Angst in der Gemeinde verbreitet.

So beginnt ein augenzwinkernder Bericht von BBC News über eine abstruse Serie von Tiertötungen in den vergangenen Monaten. 30 Kaninchen soll ein_e noch unbekannte_r Täter_in in den vergangenen Monaten aus ihren Außen­gehegen entführt und enthauptet haben.
„Er füllt das Blut vielleicht in eine Box oder eine Flasche und bringt es weg. Und den Kopf auch.“ So schildert Polizeisprecher Volker Schütte in echt deutschem Englisch das Vorgehen des „Killers“ gegenüber BBC.

Der Beitrag der britischen Reporter_innen darf durchaus als ironischer Seitenhieb nicht nur auf deutsche Befindlichkeiten, sondern vor allem auch auf deren Niederschlag im medialen Blätterwald verstanden werden. Die selten dämliche Bezeichnung „Kaninchen-Killer“ wurde zum stehenden Begriff in den diversen Lokal- und Boulevardblättchen, die damit offenbar ihr Sommerloch zu stopfen versuchten. Dabei zitierten sie zwecks Dramatisierung gerne diverse abgedrehte Tierfreunde, die sich mit wahrer Leidenschaft einer der liebsten Volkssportarten der Deutschen widmeten: Abwegige Theorien über blutrünstige Verschwörungen aufstellen.

So heißt es in einem Artikel zum Thema von der Westdeutschen Zeitung:

Für Erika Scheffer, Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, steht fest: „Das waren Perverse, die das Blut für Satansmessen verwenden.“

Im Internet, wo zugegeben mit ein paar Minuten Suchmaschinen-Recherche ausnahmslos jeder Blödsinn zu finden ist, geben sich deutsche Kaninchen-Liebhaber deutlich zwangloser ihren Fantasien hin. Zum Beispiel in einem Forum, das sich mit der Behauptung „Wir retten Kaninchen“ bewirbt. An „Islamisten und Juden“ denkt dort ein gewisser Flocke – wegen der „Art (…) des Schlachtens“. Auch bei Sylke funktionieren die bekannten Reflexe gut:

Solche Typen müssten echt härter bestraft werden, wenn sie die überhaupt bekommen.

Weder sind „die Typen“ (Woher kennt sie denn deren Geschlecht? Verdächtig …) gefasst, noch weiß Sylke vermutlich, was für eine Strafe ihnen in diesem Fall blühen würde. Wie auch der gute Obama weiß, ist dem aufgebrachten Mob eben prinzipiell alles unter Todesstrafe zu wenig, um „das volle Ausmaß der Empörung zum Ausdruck zu bringen“ (Zitat inkl. Zusammenhang aus dem Buch zu seiner Wahlkampagne).

Oft und gerne wird bei der Polizei über Per­sonalmangel geklagt, für diesen Fall hat sie offenbar eine mehrköpfige Sonderkommission gebildet. Außerdem hat auch Team Green eine äußerst schlüssige Theorie anzubieten: „Die Polizei befürchtet, der Killer könnte vom Töten von Kaninchen zum Töten von Menschen übergehen.“ (BBC)

Hier geht es zum Video von BBC: >>Link
Und hier zum entsprechenden Text: >>Link

Propagandaschlacht per Grafikprogramm

Wer die Medienberichterstattung zu seinen Gunsten steuern will, sollte sich wohl besser etwas geschickter anstellen als im Moment die Revolutionsgarde im Iran. Nicht nur, dass sie bei ihrem Muskelspiel per Raketentest wohl ein bisschen mit der Reichweite übertrieben haben:

General Hossein Salami, head of the Revolutionary Guards Air Force, claimed on Iranian television that a Shahab-3 long-range ballistic missile had been tested, which is capable of traveling longer distances, with greater accuracy, and with a larger payload.

„Our finger is always on the trigger, and our missiles are always ready to launch,“ he said.

However, Uzi Rubin, who was a program director of Homa, under which Israel developed the Arrow anti-missile system, is convinced that this was not a new version of the Iranian ballistic missile.

„From what I saw, this is an old version of the Shahab-3, and contrary to their claims, it is not capable of reaching 2,000 kilometers, only 1,300 kilometers,“ he said yesterday.

Rubin raised the possibility that a version of Shahab-3 with a 2,000 km range has still not been tested or is still not operational.

Quelle: „Haaretz Daily

Auch beim Bildmaterial wurde offensichtlich nachgeholfen, um zu vertuschen, dass eine der Raketen nicht plangemäß gestartet war. Dumm nur, dass sich auf der Internetseite der staatlichen Propagandaplattform „Sepah News“ neben einem gefälschten auch ein authentisches Bild von der ganzen Sache findet (mindestens bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags gegeben):

Ein Original …
Original

… und eine Fälschung
Fälschung

Bis die Geschichte aufgeflogen war, war das Bild allerdings schon über die Nachrichtenagentur AFP um die Welt gegangen und in etlichen großen internationalen Medien veröffentlicht worden.

Zum Beispiel bei denen:

Zeitungen mit dem gefälschten Bild
Bildquelle: New York Times

Update: Am Samstag, den 12.7., wurde das manipulierte Bild von der Website „Sepah News“ genommen – also erst zwei Tage nach dem Bekanntwerden der Fälschung. Was für Stümper …

Is this bass really strong enough?

Die Produktionswoche ist rum und es brechen erstmal entspanntere Tage an – Grund genug zum Feiern:

Hier klicken.
-> Mein Tipp: Vollbild und volle Lautstärke.

Fast summer

Abi, Abschied, Reise, Ankunft, Arbeit: Mir wird gerade so bald nicht langweilig. Der Tag war lang und ich bin müde (darunter werden diese Zeilen auch leiden) – aber nicht sicher, ob ich schon einschlafen kann. Zu intensiv sind die Erinnerungs-Filme an letzte Begegnungen für sehr lange Zeit, die in meinem Kopf ablaufen. Und zu groß die Spannung auf Menschen, die ich lange, teils Jahre nicht mehr gesehen habe.

Noch diese zwei Monate Berlin, dann geht es los nach Israel (und ich habe Geburtstag).

Jetzt aber genug Sentimentalität für heute.